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Hin und weg #6: Blume der Nacht

Was tut man an den Wochenenden, wenn der Sommerurlaub die Tanzflächen der Clubs leergefegt hat und die meisten Tore geschlossen bleiben? Die wahrscheinlich letzte Sommerkolumne dieses Jahres aus Hamburg unterzieht sich einem Selbstversuch und liefert gleich noch den Soundtrack dazu. Von Kevin Mc Loughlin

Nach dem längsten April der Hamburger Stadtgeschichte (Dauer: 01.04.-31.07.) hat sich der Sommer doch noch an die Elbe bequemt. Dass die Menschen hier im Norden wissen, wie die traditionell eher spärlich gesäten Sonnentage in ihrer Fülle ausgenützt werden können, wurde in früheren Kolumnen bereits angesprochen. Die Elbe spielte dabei immer eine zentrale Rolle – und das soll auch jetzt so bleiben, weil „never change a winning team.

Trotz des gerne und häufig nassen Wetters, fahren auch in Hamburg viele Clubs für den Sommer ihr Programm maximal auf Sparflamme, was mitunter zu gewissen Ausgehengpässen an den Wochenenden führen kann. Klar, vor Kneipen sitzen und mit Freunden gemütliche Abende am Elbstrand verbringen läuft, aber was wenn der Sinn nach tanzen steht? Hier zeigt sich, dass der sich verspätet doch noch eintrudelnde Sonnenschein doppelt lohnt: Hamburg verlegt die Partys nämlich im Sommer gerne nach draussen. Und so locken in Wilhelmsburg, im Flottbektal oder hinter der Hafencity kleine, feine Technopartys, die meistens nur über Mund-zu-Mund Propaganda angekündigt werden, weil sie häufig… sagen wir einmal sich in einer legalen Grauzone befinden.

Die Outdoor-Raves steigen auch zumeist den Tag durch. Damit können die Sonnenstrahlen voll ausgekostet und kann der generatorerzeugte Strom ausschliesslich für die Anlage genutzt werden. Das bedeutet nun aber nicht etwa, dass sich die Abendbeschäftigung lediglich auf den Nachmittag verschiebt. Viel mehr gestaltet sich das wochenendliche Tanzvergnügen schön ausgebreitet ab dem frühen Nachmittag bis zum nächsten Vormittag. Denn häufig sind diesen Technopartys dann trotzdem noch weiterführende Feiereien in Clubs angehängt.

Und somit sehen dann Samstage teilweise in etwa wie folgender denkwürdiger Wonnentag aus: Nach einem kleinen Vorglühen auf der Hedi (wir erinnern uns) mit dem Bus bis zur Endhaltestelle Baakenhöftdort hinter einer Industriehalle der Elbe entlang durchspazieren zum Techno in den frühen Abendstunden auf zwei Floors mit sehr netter Musik. Danach zur Überbrückung im Karoviertel vor das Yoko Mono (so lange dieses noch existiert) auf ein paar Getränke und nach Mitternacht zum PAL für weitere Tanzstunden. Auf dem Weg nach Hause wahlweise noch kurz im Wasserschaden vorbeischauen und am nächsten Nachmittag müde aber überglücklich aus dem wohlverdienten Schlaf erwachen und sich wünschen, dass der Sommer in Hamburg nie, nie, nie zu Ende gehen möge.

Der heutige Titel stammt von Stefan Kozalla alias DJ Koze, der früher als Mitglied der Combo Fischmob ein integraler Teil des deutschen Rap Hamburger Prägung war und sich unterdessen schon längstens einen Namen als innovativer und spannender elektronischer Künstler gemacht hat.

Und weil tanzen nicht nur in Hamburg wichtig ist, gibt es heute noch eine elektronische Tanzeinladung in Form einer Spotify Playlist. Viel Spass!

 

Infos

Der ehemalige BM-Chefredaktor Kevin Mc Loughlin hat den Anker an der Berner Aare gelichtet und seine neue Heimat in Hamburg gefunden. Ganz verlassen hat er den Bewegungsmelder zum Glück nicht: Jeden Monat berichtet er uns über seine Abenteuer und tischt uns womöglich reichlich Seemansgarn auf. Ach ja, der Titel der einzelnen Kolumnen sind jeweils Songtitel von Bands aus Hamburg. Den dazugehörigen Song gibt es am Ende der aktuellen Ausgabe zu finden. Ahoi!

Di 23.08. 2016