Zurück

Fabrique 28: Frisch, gesund, inklusiv

Wo vorher die Mensa des BFF zum Zmittagstisch einlud, hat gerade im Monbijou ganz frisch ein Lokal eröffnet. Ganz frisch, so auch die Küche im Fabrique 28. Serviert werden dort durch die Woche gesunde, regionale und saisonale Bowls für alle Geschmäcker und Überzeugungen. Der BM hat's getestet. Von Dela Wälti

Der graue Herbsthimmel spiegelt sich in der Fensterfront der Monbijoustrasse 28 wieder. «Fabrique 28 – Essen & Trinken» steht da und das lassen wir uns nicht zweimal sagen; die Mägen knurren schon, wir drücken die Türklinke nach unten und stossen – Mist – ziehen die Türe auf. Drinnen erwartet uns ein offener, heller Raum in schlichtem, aber stilvollem Dekor gehalten, das dem Namen alle Ehre macht. Die Lampen und Stühle versetzen einem geradewegs in ein Industriegebäude Anfang des letzten Jahrhunderts.

Eigener Charakter mit Cafeteria-Stimmung

Die Fabrikästhetik besticht durch ihre Einfachheit: Hier gibt es keinen Schnick-Schnack und doch fehlt es der Fabrique 28 nicht an eigenem Charakter. Trotzdem – die Cafeteria-Stimmung wird es nicht ganz los, etwas zu zweckmässig ist dafür die Einrichtung, Funktionalität vor Gemütlichkeit scheint die Devise. Dies ist dann aber doch insofern berechtigt, als dass es ja genau das ist, eine Mensa.

Aber genug über Innendekoration, schliesslich ist das hier ein Stadtzmittag und so schnappen wir uns ein Tablett. Wir haben uns nämlich für Selbstbedienung entschieden, es gäbe aber auch einen kleinen Bereich als à-la-carte-Restaurant.

Zeit, sich in der Schlange einzureihen.
Mehr als nur ein Restaurant: Inklusiver Arbeitsort

Bevor wir uns aber dem Essen widmen, sollte noch etwas über das Konzept der Fabrique 28 gesagt werden. Wie das Provisorium 46 in der Länggasse, zu dem es auch gehört, ist es ein inklusives Restaurant, welches Menschen mit und ohne Behinderung einen Arbeitsplatz bietet und ein selbstbestimmtes, in beruflicher und sozialer Hinsicht integriertes Leben ermöglichen möchte.

Zusätzlich wird bei den Gerichten auch auf Nachhaltigkeit, Saisonalität und Regionalität geachtet. So gar nicht passend zum Fabrik-Look also, sondern Essen, das rundum gut tun soll. Aber schmeckt es auch? Wir sind gespannt, was heute auf der Karte steht.

Das Angebot ist überschaubar: Es gibt Bowls und Pasta in zwei verschiedenen Grössen, entweder vegan oder mit Fleisch und zusätzlich noch Suppe und Salat. Ein Blick auf das Menü verrät auch, dass es sich für Student*innen durchaus lohnt die Legi mitzunehmen. In der Zwischenzeit hat sich eine kleine Schlange gebildet und wir reihen uns artig ein.

Unsere Bestellung: Vegane Bowls mit vielen Optionen

Die Begleitung kann dem saftig leuchtenden Salat im Weckglas (5.50) nicht widerstehen, während die Schreibende bei der Kürbissuppe (4.50) schwach wird. Dazu nehmen wir uns je noch eine Flasche Mineralwasser (2.- / 1.-). Wir entscheiden uns beide für eine vegane Bowl, einmal gross (16.50 / 14.-) und einmal klein (13.50 / 11.-).

So weit, so einfach. Einen Blick auf die Wand hinter der Essensausgabe verrät aber sogleich, dass wir dann doch nicht ganz so leicht zu unserer Mahlzeit kommen. Couscous oder Venere Reis? Hä, was für Reis? Dazu fünf Gemüse? Kiwi und Granatapfelkerne? Kiwi?! Und wie sieht es mit Kräutern aus? Ein bisschen Chili? Bilden wir uns das nur ein, oder ist die Schlange hinter uns länger geworden…?

Dann endlich, aus einer Handvoll verschiedener Dressings auswählen und wir haben es geschafft! Das Teller, oder eben die Bowl, schaut jedenfalls schon mal vielversprechend aus und ohne noch länger zu zögern, begeben wir uns an einen freien Tisch.

Bodenständiges Soul-Food für Kaiser*innen

Wie sich herausstellt, ist Venere-Reis eine schwarze, risotto-ähnliche Reissorte, die im alten China nur den Kaisern vorbehalten war. So schmeckt sie auch, wahrlich königlich. Die herkömmliche Variante wirkt nicht nur optisch bleich daneben. Auch das verschiedene Gemüse schmeckt gut und bieten mit Romanesco und Pastinaken Abwechslung abseits von Rüebli und Erbsli. Dem ganzen Gericht fehlt es aber etwas an Raffinesse, die einzelnen Komponenten sind alle auf sehr simple Weise zubereitet, zwar natürlich und frisch, doch fehlt uns das gewisse Etwas.

Gerade beim Tofu wäre etwas mehr, mehr Gewürze, mehr Kreativität, tatsächlich mehr gewesen, so wie auch bei der Grösse der Portion: Während die kleine Bowl gerade richtig ist, scheint die grosse nicht merklich grösser. Das Dressing, einmal mit veganem Joghurt, einmal mit Sesam, überzeugt hingegen voll und ganz und gibt dem Gericht den nötigen Rahmen. Auch an der Kürbissuppe und am Salat gibt es nichts auszusetzen.

Für die Bar hat es dieses Mal leider nich gereicht. Bis zum nächsten Mal!

Fabrique-Charme mit ausgewogenem und geerdetem Mittagessen

Obwohl es kulinarisch die Berner Gastroszene nicht revolutioniert, bietet das Fabrique 28 ein ausgewogenes und geerdetes Mittagessen. In der Einfachheit liegt dann auch ein ganz eigener Charme: Keine Überraschungen, dafür bei jedem Bissen das Gefühl sich und der Welt etwas Gutes zu tun. Und so verlassen wir das Lokal auch rundum zufrieden und ziehen – Nein – stossen die Türe auf. Raus in den kühlen Nebel.

Infos

Fabrique28
Mensa in der BFF
Monbijoustrasse 28, 3001 Bern
info@fabrique28.ch, 077 522 61 20
Reservationsformular

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 09:30–14 Uhr, Selbstbedienung bis 13:30 Uhr
Abends vorübergehend geschlossen
Samstag und Sonntag geschlossen

Auch Take-Away oder als À-la-carte-Restaurant mit 25 bedienten Plätzen.
Am Morgen mit italienischem Kaffee und leckeren Kleinigkeiten.

So 22.11. 2020

Hinterlasse eine Antwort

Hinterlasse eine Antwort