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Mi 22.01. – Mi 29.01. 9:00 | Solothurn Solothurn |

Solothurner Filmtage 2020: BM-Entdeckungsreise

Unser Barock-Juwel steht bereits zum 55. Mal ganz im Zeichen der bewegten Bilder – des Films – und der Bewegungsmelder will sich das Ganze natürlich nicht entgehen lassen. Das Rahmenprogramm der aktuellen Solothurner Filmtage ist riesig, abwechslungsreich, reflektiert und interaktiv. Von Steve Nyffenegger

Sollte es drin liegen, macht man vor Festival-Beginn einen Abstecher in den tollen Absinth-Laden auf der anderen Seite der Kreuzackerbrücke – wenn man schon mal Solo in Soleure ist und nichts zu tun hat, ausser wunderbare, neue Filme zu gucken. 2020 wollen wir unser Augenmerk weg von den Blockbustern, hin auf die kleinen, feinen Filme aus den Ländern lenken, wo es kein Hollywood gibt. Und auf Serien: Denn der von Netflix befeuerte Serien-Boom hält an, zum Guten wie zum Schlechten – Qualität lässt grüssen.

Die 55. Solothurner Filmtage: So viele Filme und Serien, wie lange nicht mehr

Ja, da warten so einige internationale Leckerbissen auf uns, aber auch hiesige Produktionen werden wir unter die Lupe nehmen. Denn man mag es kaum glauben, aber es regt sich was, in den «nüechteligen» Katakomben der Schweizer Produktionsfirmen. Die CH-Filmwelt scheint, als würde sie langsam aus ihrem langen, drögen Dornröschenschlaf erwachen. Es ist wirklich wahr: Letzten Sommer wurden hierzulande so viele Filme und Serien gedreht, wie lange nicht mehr. Und dies lässt hoffen. Machen wir’s doch, wie die Dänen oder Koreaner: Nicht besser, nicht schlechter – aber einfach irgendwie anders.

Da wären aktuell unter anderem:

  • «MOSKAU EINFACH»: Werden wir uns sicher gleich zu Beginn der Festivitäten gönnen: Es geht um Kommunisten, die im kalten Krieg das Zürcher Schauspielhaus unterwandert haben sollen – und ums Ausspionieren freier Menschen.

Oder:

  • «PLATZSPITZBABY» mit Sara Spale, welche der Zuschauer aus der Serie «Wilder» kennen dürfte und dank «wacklig-vercracktem» Keith-Richards-Acting kaum wieder erkennt. Dieser mutige Film erzählt die Geschichte einer Heroin abhängigen Mutter, zur Zeit der Zürcher Platzspitz- und Letten-Szene. Erzählt aus der Sicht der kleinen Tochter.

Bisher: Ein paar Zeilen CH-Filmgeschichte

Eigentlich sind wir ja sowieso mehr für gute Dokus und angegraute Krimis im 80er-Jahre-Look bekannt. Aber auch auf helvetischem Boden tummeln sich erstklassige Regisseure, grandiose Schauspieler und sehr viel frisches Know-How, welches nur darauf wartet, entdeckt und zusammengeführt zu werden. Hoffentlich mit viel Mut, Frechheit und ironischem Selbstvertrauen. Denn was kaum noch jemand weiss; auch hier wurden schon ab den frühen 50ern neben «Ueli der Knecht», «Heidi» und «Die Schweizermacher», auch unbequeme, meist unterschätzte, doch für die Zeit, sehr mutige Meisterwerke geschaffen. Etwa mit:

  • «DIE ERSCHIESSUNG DER LANDESVERRÄTERS ERNST S..» ein Film über die Todesstrafe in der Schweiz…
  •  «HÖHENFEUER» wo Gewalt, Inzest und das ärmliche Leben in den Alpen thematisiert wird.
  • «SIAMO ITALIANI» über die Ausbeutung italienischer Fabrikarbeiter in den 60ern.
  •  «DAS GEFRORENE HERZ» ein Eidgenossen-Flick in dem sich ein Landstreicher um das ehrenvolle Begräbnis eines anderen Landstreichers bemüht.
  • «REISENDER KRIEGER» ein echtes schweizer-Roadmovie.
  • «KLEINE FLUCHTEN» REINZIEHN!
  • Und «LA SALAMANDER» Über selbstbestimmung und Freiheit einer jungen Frau – absolut sehenswert.

Und dies sind nur ein paar der speziellen Filme, die vor Jahrzehnten in schwarz-weiss auf Zelluloid gebrannt wurden. Glücklicherweise hat man nun den Eindruck, dass dieses kleine, skurrile Land, – welches sehr exakte Uhrwerke, LSD und «Meränggen» hervorbrachte – auch filmisch langsam wieder etwas mutiger wird. Das ist auch gut so: Wir wollen Neues sehen. Und das funktioniert für uns an den Solothurner Filmtage am besten ohne Plan, indem man sich einfach der macht der Bilder ergibt und sich vom Strudel der Zeit mitreissen lässt. Der BM guckt sich diese Woche also ganz viele Filme für euch an und meldet sich mit den Erkenntnissen und Entdeckungen zurück. Bis bald!


Auf diese Rahmenprogramm-Punkte sind wir besonders gespannt:

– Prä- und Post-Kolonialisierung im Film

– Writers-Room

– Frauen im Kino und im Theater 

– Auch das coole Attisholz-Areal wird bespielt, das die meisten nur von Partys kennen dürften.

Infos

Die Solothurner Filmtage (SFT) sind das bedeutendste Filmfestival für den Schweizer Film. Sie präsentieren seit 1966 Jahr für Jahr im Programm «Panorama Schweiz» eine repräsentative Auswahl von Schweizer Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen. In Gesprächsrunden und Podiumsveranstaltungen diskutiert die Filmbranche über die gezeigten Filme und die Schweizer Filmkultur. Mit jährlich über 65’000 Zuschauern zählen die Filmtage zu den renommiertesten Kulturveranstaltungen der Schweiz.

http://www.solothurnerfilmtage.ch

Mi 15.01. 2020