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Do 26.10. 20:00 | Kaserne Basel | Experimental, Rock

Mogwai

Spätjahresdonner

Mit einer neuen Herbstplatte namens "Every Country's Sun" melden sich Mogwai zurück. Die Herren haben nun ihre Europa-Tournee gestartet und werden in der Kaserne in Basel Halt machen. Gemäss der ersten Setlists darf man sich auf Neues und Altes freuen. Von Isabelle Ruchti

Die Glasgower können mittlerweile auf eine beachtliche 22-jährige Bandgeschichte zurückblicken. So beschränkt sich die Diskografie der Herren nicht nur auf Studioalben, sondern weist ebenso zwei Soundtrack-Produktionen auf. Zu ihren grössten Hits werden unter anderem „Mogwai fear Satan“, „Like Herod“, „New Paths To Helicon (Pt. 1)“ oder auch „Take Me Somewhere Nice“, „How To Be A Werewolf“ und „Rano Pano“ gezählt. Kennzeichen war stets die instrumentale Detonation – aber auch dem Gesang wurde nicht konsequent eine Absage erteilt.

Und auch trotz Weggang des Gitarristen John Cummings (2015) ist die Karriere noch lange nicht vorbei. Am 1. September dieses Jahres brachten die vier Herren ihre 9. Studioscheibe auf den Markt. Vorneweg für alle Mogwai-Fans der ersten Stunde: Die Kritiker scheinen sich nicht einig zu sein. Für die einen ist sie ein Genuss ganz im Zeichen des Post-Rock mit typischen Mogwai-Ausnahmen. Andere wiederum kritisieren vermeintlich unausgeschöpfte Möglichkeiten der Band. Ob das neue Material „a blast from the past“ (wie es etwa der musikexpress ausdrückt), oder ein müder Vesuv ist, der die 10m-Marke verfehlt, darf jeder Fan für sich selbst entscheiden. Fakt ist jedenfalls, dass bei der neuesten Produktion mit Dave Fridmann zusammengearbeitet wurde. Der Produzent hatte bereits bei den Werken „Come On Die Young“ (1999) und „Rock Action“ (2001) seine Finger mit im Spiel.

Wie auch immer, die neue Platte weist eine schöne Vielseitigkeit mit bemerkenswert zugänglichem Material auf. Diese Zugänglichkeit zeigt sich vor allem in ein paar Songs mit beinahe popartigen Melodien, welche Post-Rock-Dramatik neu interpretieren. Die elf Songs können zwar je nach Blickwinkel und mit kritischem Unterton als minimalistisch abgestempelt werden – das heisst aber noch lange nicht, dass man das auch muss. Die epische Dramatik hält sich in Grenzen, was allerdings den Sog nicht unbedingt weniger attraktiv gestaltet. Vielschichtige Gitarren lullen den Geist ein, mystische Keyboardklänge zersprengen die schwülstige Melancholie und sanftes Schlagzeug mausert sich langsam zu einer donnernden Soundkulisse. Die Songpalette zeigt sich als schöne Mischung aus Gesang und Instrumentarium, aus Melancholie und Hoffnung sowie aus verkopften und eingängigen Melodien.

Beinahe schwerelos werden die Hörenden von Song zu Song getragen und erleben, wie Mogwai auch mal vertraute Komfortzonen verlässt und mutig an ungewohnten Strukturknöpfen rumschaltet. Das Album startet mit „Coolverine“, einem Song der eher melancholisch und schwer daherkommt, sich sanft aufbaut und intensiviert, jedoch ein recht gezügeltes Finale liefert.

Danach folgt mit „Party in the Dark“ eine popnahe Überraschung, bei der man ebenso damit rechnen könnte, dass es plötzlich Konfetti von der Decke regnet. Die einfache Songstruktur mit verhältnismässig simpler Instrumentation bringt einem den Titel schnell nah und frisst sich rasch ins Gedächtnis. Dazu gesellt sich hallend verzerrter Gesang, der irgendwie auch einen Hauch Teenie-Erinnerungen wach werden lassen könnte.

Dem entgegen sind die darauf folgenden Titel meist komplexer und wuchtiger. „Don’t Believe the Fife“ beginnt zunächst ruhig und dynamisiert sich in eine dröhnende Dramatik. Die Künstler kehren schliesslich zurück zu bewährten Strukturen und bauen weiter am Sound-Dickicht. Bei „Battered At a Scramble“ und „Old Poisons“ werden den Hörenden flirrende Gitarrentöne um die Ohren gehauen. Mit „Every Country’s Sun“ wird in die Entschleunigung übergeleitet und damit folgt auf den wummernden Sturm nun der sanfte und versöhnliche Abschied.