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So 26.03. 20:00 | Rössli Bern | Indie, Punk, Rock

Max Raptor & Lyvten

Mittendrin statt nur daheim

Musik kann unkompliziert konsumiert werden: Gratis gedownloadet, gestreamt, gekauft auf einem soliden Medium, in seltenen Fällen. Doch bei Max Raptor und Lyvten setzt man lieber einmal einen Fuss nach draussen. Von Sven Sommer

Gerade harte Gitarrenmusik hat es schwer, sich neben dem Szenepublikum auch in grössere Kreise vorzuspielen und sich einen Namen zu machen. Eigentlich logisch, denn sowas lässt man halt auch nicht einfach so im Hintergrund laufen, auch nicht im Mainstream-Radio. Diese Musik wird aktiv konsumiert und der Fluss wird höchstens für einen Schluck Einsiedler und einen Zug am Lungenbrot unterbrochen. Max Raptor kommen ins Rössli, vier Jungs aus England, auf Tournee durch den deutschsprachigen Raum. In Deutschland noch mit Betontod unterwegs, in der Schweiz spielen Lyvten im Vorprogramm. Harte Musik von den harmlos wirkenden, in braven Hemden steckenden Engländern – und schon zum dritten mal in der Reitschule. Mindestens. Schriftliche Kategorisierung ist immer etwas vage – aber vergleichen wir die Band am besten mit Rise Against: Einer Post-Punk Band, die weitaus grössere Hallen bespielt, als um sie bloss mit Szenis zu füllen. Deren harte Riffs und des Sängers durchdringende Stimme einem in Erinnerung bleiben – Letztere eskaliert manchmal etwas in Geschrei, bleibt dabei jedoch stets sympathisch und ist von aggressiv noch weit entfernt.

Ähnlich kommerzieller Erfolg ist also durchaus auch Max Raptor zu zutrauen. Auch sie schaffen es, die Musik als Spass rüber zu bringen, der auch beim Publikum ankommt. Und das sogar so sehr, dass der Schweiss die Fenster beschlägt. Lyvten hingegen sind weniger die netten Jungs von nebenan, würde zumindest der geneigte Laie sagen. Die Tattoos sind zahlreicher vertreten, ebenso wie die Menge an Hardcore in ihrem Sound. Aber auch bei ihnen findet der nicht-Kenner Zugang und «poget» herzhaft mit. Die Jungs von Lyvten singen zwar deutsch, man sollte sie jedoch nicht etwa mit den Broilers oder den Hosen vergleichen, dafür sind die Texte viel zu wenig Schlager im Punk-Pelz, ohne steh-auf-wenn-du-am-Boden-liegst Stammtisch-Message, dafür mit mehr Power.

Ein Abend im Rössli erwartet also all jene, die gerne bewusst Musik hören, fühlen und feiern – und sind wir ehrlich, der Tatort wird doch nur geschaut, weil es um die Zeit keine bessere Alternative gibt. Normalerweise.

 

Mo 20.03. 2017