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Sa 28.10. 16:00 | Dynamo Zürich | Experimental, Metal, Rock

Bergmal Festival 2017

Wilde Reise durch Raum & Zeit

Auf in die nächste Runde: Am letzten Oktober-Wochenende findet die zweite Ausgabe des Bergmal-Festivals im Zürcher Dynamo statt. Die Veranstaltung im Zeichen des Post-Rock bietet Mitreissendes und Orchestrales von Nah und Fern. Von Isabelle Ruchti

Das Bergmal-Festival dient nationalen sowie internationalen Künstler_innen aus dem Bereich der Experimental- & Post-Rock-Musik als Plattform und haut dabei ordentlich auf die Pauke: Mit insgesamt 13 Bands auf 3 Bühnen an nur einem Abend und in nur 8-3/4 Stunden wird den Hörenden einiges an Klangmaterial geliefert. Bereits vor einem Jahr hatten die Veranstalter ein ordentliches Line-up zu bieten: So standen beispielsweise Leech als ein Aushängeschild der Schweizer Post-Rock-Szene auf dem Programm.

Wer furiose Musik braucht, wer lyrische Verschonung begrüsst oder wer auf der Suche nach einem neuen musikalischen Terrain ist, der könnte an diesem Abend seine Portion Glück finden. Vermeintliche Genregrenzen werden hinterfragt und Detail liebende Sound-Kompositionen gipfeln in instrumentaler Wucht. Wenn überhaupt von einer Hörbedingung die Rede sein kann, dann vielleicht am ehesten davon, dass du gewillt sein solltest, dir Zeit zu nehmen, um bewusst zuhören zu wollen und zu können. Wer da sein Gehör nicht überfordern möchte, dem seien nicht nur Ohrstöpsel an den Konzerten selbst, sondern auch eine vorgängige Kopfhörersession als Vorbereitung empfohlen. Folgend nun einige auserwählte Hörproben.

 

Sleepmakeswaves


Die Band aus Sydney überzeugt mit ihrem aktuellen Album „Made of Breath Only“ laut Kritikern vor allem, weil es den Australiern gelungen zu sein scheint, einen eigenständigen Stil überzeugend auszuarbeiten. Kurz bevor die Sounddynamik zu entreissen droht, holen ausgeklügelte melodiöse Feinheiten einen zurück, nur um noch mal Schwung zu holen, bevor sich der Klang in ein episches Finale wandelt. Rhythmus und Melodie halten sich dabei stets die Waage.

 

Lost in Kiev


Das Quartett aus Frankreich konnte insbesondere für ihr zweites,  im Jahre 2016 erschienenes Album „Nuit Noire“ einiges an lobenden Worte ernten.  Schwerfälligkeit ist Programm und getreu dessen legt sich ein Schatten der Wehmut über das gesamte Album, wobei die Musiker diese in vielen Facetten zum Ausdruck zu bringen wissen: Durch zerbrechlichen Sprechgesang, welcher wuchtige Klangeruptionen besänftigt, durch einen sich langsam aufrollenden, dramatischen Songaufbau mit entfesselter Klimax oder aber durch unverhohlene instrumentale Aggressivität.

 

Pg.lost


Die vierköpfige Band aus Norrköping bezeichnet ihre Musik als schwedischen Experimental Instrumentalismus. In den Kritiken wird vor allem das neueste Album „Versus“ von 2016 als eher unaufgeregten und klassischen Post-Rock bezeichnet – Obwohl der Sound insgesamt noch Luft nach oben zulässt, liefern die Herren auch einige Perlen wie den Song „Terrain“ des Versus-Vorgängers „Key“. Dieser überzeugt mit einem bemerkenswerten,  rhythmischen Zwischenspiel. Man darf gespannt sein, was die Live-Darbietung bringen wird.

 

TTNG


Das Trio aus England widersteht einer instrumentalen Überladung und setzt auf eine gute Portion Gesang. Gegenüber dem bisher vorgestellten, eher wuchtigen Klangdickicht werden TTNG die Atmosphäre mit Pop-Elementen auflockern. Sanft klarer Gesang geht einher mit verspielten Gitarrenparts und löst eigenwillige Rhythmikkonstellationen ab. Im Zusammenspiel konterkarieren sie die angeblich genreüblich anhaftende Schwermut.

 


Auch aus der Schweiz sind einige Bands mit am Start. So beispielsweise die Basler AMORPH, welche kurz vor ihrem Album-Release stehen. Man scheint sich auf ein beachtenswertes Songwriting freuen zu dürfen. Eine unterkühlte Stimme ziert ziehende Synthesizer. Hopes & Venum aus St. Gallen produziert dagegen eine verträumte, mystische Klangblase im Zeichen der Melancholie. Ausserdem werden When the light dies aus Zürich/La Chaux-de-Fonds, Rue des Cascades aus Winterthur und Maïak aus Lausanne auf der Bühne stehen.