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#1 BILDGEWANDT

Drei Väter - Nando von Arb

Die Mutter ein Vogel, der Vater ein Fuchs. So eine Beziehung kann nicht lange halten. Wie es ist, in einer Patchwork-Familie aufzuwachsen, zeigt Nando von Arb in seiner ersten Graphic Novel "Drei Väter". Von Dela Wälti

„Ich habe drei Väter.“ Mehr muss Nando dem Psychologen gar nicht erzählen, um eine Diagnose zu erhalten. “Du hast Verlustängste”, antwortet ihm dieser knapp und zeichnet dazu auf seinem Notizblock das Gesicht eines traurigen Jungen. In wenigen Bildern, und noch weniger Worten, vermag Nando von Arb zu verdeutlichen, wie stark das traditionelle Bild einer Familie mit Mutter, Vater und zwei Kindern, Tochter und Sohn, in unseren Köpfen verankert ist. Obwohl, ausser in Fotoalbumwerbungen und auf Eintrittsvergünstigungen für Vergnügungsparks, ist diese ja immer seltener anzutreffen. „Drei Väter“ gibt einem Einblick in eine Familie, die so gar nicht dem gängigen Schema entspricht. Da ist die äusserst liebende, aber überforderte Mutter, ihr neuer Freund Zelo, der quirlige Vater der älteren Schwester Kiko und natürlich der eigene Vater, dessen Umgang mit seinem Sohn von Unsicherheit und Schuldgefühlen geprägt ist.

Nando mit seiner Chimäre: Mutter und Väter in einem. (Bild: Nando von Arb)

„Drei Väter“ ist als Bachelorarbeit im Fach Illustration Fiction an der Hochschule Luzern entstanden. Die Idee für das Buch kam Nando nachts beim Grübeln. Er machte sich Gedanken über seine Rollenbilder, wie seine drei Vaterfiguren ihn geprägt haben. Gerade in Bezug zu Kunst wird ihr Einfluss in der Graphic Novel deutlich. Sein leiblicher Vater besucht mit ihm immer wieder das Museum. Er hat zu jedem der Gemälde seine Meinung, die er, als geduldiger Lehrer, Nando gerne mitteilt. Der Vater seiner Schwester dagegen ist für jeden Spass zu haben. Seine Stelzenbeine kann er in jede Richtung verrenken, seine Meinung nicht. Als Einziger beurteilt er Nandos Zeichnungen kritisch, dafür bedeutet sein Lob aber umso mehr. Und schliesslich Zelo, der neue Freund der Mutter, der im Buch aussieht wie eine primitive Steinskulptur, aber sonst mit Kunst nicht wirklich viel anfangen kann. Die grösste Wichtigkeit misst Nando aber trotzdem seiner Mutter bei, dem übergrossen Vogelwesen, das seine Flügel sofort schützend über ihn breitet, sobald Gefahr droht.

Die Welt auf dem Papier wird zum Leben erweckt. (Bild: Nando von Arb)

Die Graphic Novel ist zu grossen Teilen autobiografisch, aber nie der Versuch, die eigene Kindheit möglichst genau und umfangreich zu dokumentieren. Der Fokus liegt auf den Beziehungen zwischen den Figuren, die Stimmung innerhalb des komplexen Geflechts, das sich Familie nennt. Nando von Arb lässt sich viel Freiheit, seine Gefühle gestalterisch umzusetzen. Er abstrahiert seine Erfahrungen, arbeitet mit Symbolen: Der Arzt wird übergross dargestellt, sein Gesicht ist nie zu sehen; der Psychologe ist eine Sphinx; seine Mutter, seine Väter, sie alle haben einen neuen Körper bekommen. Die kindliche Fantasie wird überzeugend aufs Papier gebannt. Die Figuren wirken allesamt als wären sie gerade einer Zeichnung in einem Kinderzimmer entsprungen. Das ist genau die Stärke von „Drei Väter“. Die Graphic Novel wird ganz aus der Sicht des jungen Nando erzählt. Alles passt: die Schrift, die Sprache, die episodenhafte Erzählung und natürlich die Bilder.

In seinem Debüt gelingt es Nando von Arb seine eigene Bildsprache zu finden. Das passt zu einer Geschichte, die auch ganz ihm gehört. Und für etwas mehr als dreihundert Seiten dem Leser. Seiten, die viel zu schnell umgeblättert sind.

Infos

Drei Väter - Nando von Arb
Edition Moderne Verlag
304 Seiten, farbig, 17 x 24 cm, Halbleinen
CHF 49.00/EUR 39.00, inkl. Versand
erschienen am 21. März 2019
Drei Väter
Nando von Arb

ab sofort im Handel

Do 11.04. 2019